Stellungnahme zu den Vorgängen um die geplante Deponie Haaßel
Nun sollen die Bürger Haaßels und umzu endlich eine richtig große Mülldeponie bekommen. Und was für eine. Auf dem 24 ha großen Gelände sollen "Stoffe" mit Gefahrengutklassifizierung, also veritabler Vergiftungsqualität, eingelagert werden. Bestellt haben sich sowohl die Anlieger als auch sonst irgendwelche gewöhnlichen Bürger aus des Landkreises Rotenburg die zwar nicht von der Kreisverwaltung und der Kriete Kaltrecycling Gm beschränkter Haftung. Aber bekommen sollen sie die trotzdem – ungefragt und gegen ihren Willen. Und das mitten in einem Naturschutzgebiet. Diese ursprünglich als Bauschuttdeponie geplante Lagerstätte erweist sich nach und nach durch die vom Betreiber angehängte "Stoffliste" als eine echte Giftmülldeponie.
Die Sorgen der Bürger werden von der Landkreisverwaltung heruntergespielt. Die Bedenken und die berechtigte Angst der Bürger vor einem Giftberg direkt vor ihrer Haustür werden zwar von den zuständigen Behörden und vom Betreiber Kriete sehr ernst genommen, aber nur um sie sogleich als völlig unzutreffend und übertrieben wieder zurück zuweisen. Es wäre ja nicht das ersten mal, dass, wenn erst einmal Tatsachen geschaffen sind und das Loch ausgehoben wurde, über kurz oder lang dort all das landet, was sich für den Eigentümer einzulagern lohnt. Bekanntlich sind private Unternehmen keine Wohlfahrtverbände. Und dass es einer Umweltschutzbehörde bedarf, die darauf aufpasst, dass die Schädigung von Mensch und Natur sich in einem wirtschaftlich nützlichen Rahmen hält, wirft kein sonderlich gutes Licht auf die Zwecke der marktwirtschaftlichen Produktionsweise.
Dass das Dreckloch zudem noch mitten in einen Naherholungs- und Naturschutzgebiet reingeplant wurde, bringt die Naturschutzbehörden dann doch in Erklärungsnöte und macht die Sache zusätzlich pikant. Der ganze Fall mitsamt der "dürftigen" und unzutreffenden Information der Bevölkerung hat alle Vorraussetzungen, sich zu einem handfesten Skandal zu entwickeln. In dem wird dann nicht nur die Firma Kriete, die vergeblich versucht ihren Eigennutz als Altruismus zu verkaufen, äußerst schlecht dastehen. Auch und gerade Landesbehörden und die Kreisverwaltung dürften sich bei dieser Aktion nicht nur ein "Blaues Auge" einhandeln. Und die daran maßgeblich beteiligten politischen Parteien werden mit ihren Beteuerungen, von allen möglichen Instanzen schwer hinters Licht geführt wurden zu sein, werden mit dem Malus eines Glaubwürdigkeitsdefizits Leben müssen. Den unwichtigsten Part werden wie üblich der geschädigten Leute spielen. Bis hierhin ist an der ganzen Affäre also nichts besonders Neues zu entdecken.
Neu ist, dass die Bürger in diesem Fall offenbar nicht mehr Willens sind, sich beschwichtigen zu lassen. Offenbar ist es in Haaßel und Selsingen den Menschen ernst, ihre Belange tatsächlich in ihre eigenen Hände zu nehmen und sich diesmal nicht wieder von Politikern einseifen zu lassen: "Wir wollen keine Deponie. Einer weiteren Info-Veranstaltung ("Runder Tisch") bedarf es aus meiner Sicht nicht." (Werner Cordes aus Selsingen in einem Lesebrief an die BZ).
Auch nach Ansicht des Kreisverbandes der Linken braucht es nur eine sofortige und endgültige Beendigung aller geplanten Maßnahmen in Sachen Mülldeponie in Haaßel!
Klaus Heinbockel
Pressesprecher Die Linke, KV Rotenburg




