Rapsfeld bei Eversen

Am 3. November veranstalteten die Rotenburger DGB Senioren im Seniorentreff in der Bergstraße eine ihrer regelmäßigen Informationsveranstaltungen zu wichtigen, die Gesellschaft bewegenden Themen. Zu den mit etwa 30 interessierten Teilnehmern gut besuchten Treffen war das Mitglied der Linken, Klaus Heinbockel, als Referent geladen. Thema der Veranstaltung war die Fragestellung: „Was ist Marktwirtschaft? Wahrheit und Ideologie über unsere Wirtschaftsweise.“ In seinem Vortrag zeichnete der Bremervörder Wirtschaftshistoriker zunächst einmal nach, wie und warum der Begriff Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance erlebte. Nach der Feststellung, dass sich diese Namensgebung aus dem Systemvergleich während der Zeit des Kalten Krieges etablierte, ging Herr Heinbockel dazu über, einige zentrale Grundannahmen der Volkswirtschaftslehre vorzustellen und kritisch zu hinterfragen. Unter anderem so provokante Behauptungen wie die, dass permanente Lebensmittelverfälschungen kein Widerspruch zu der Behauptung der Wirtschaftswissenschaft, nur in einer Marktwirtschaft wäre die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung zu erreichen, darstellen. Vielmehr, so der Referent, sei das ein Produkt konsequent marktgerechten Verhaltens sowohl der Produzenten als auch der Konsumenten. Versorgt wird in dieser Wirtschaftsweise gemäß der Reichweite der Kaufkraft der Markteilnehmer, und da sei für jedes zahlungsfähige Bedürfnis das ihm entsprechend gute oder schlechte Angebot vorhanden. Und so kann es nicht verwundern, dass es gleichzeitig Wohnungsleerstand und Obdachlosigkeit gibt. Eine weitere ungewöhnliche These des Referenten war die, dass in der Marktwirtschaft „auf Teufel komm raus geplant wird.“ Innerhalb der Unternehmen werden sämtliche Elemente des Herstellungsprozesses minutiös geplant. Der Volkswagenkonzern sei, laut Heinbockel, ein Musterbeispiel von Planwirtschaft. Erst außerhalb der Werkstore ginge „das Hauen und Stechen der Konkurrenz“ los. Und, so der Referent: „Wenn BMW pleite gehen würde, dann würden in Wolfsburg die Sektkorken knallen.“ Auch mit Kritik an den Mitstreitern in seiner Partei geizte der Linke nicht: Wer meint, man könne den gesellschaftlichen Reichtum dieser Gesellschaft von den Reichen auf die Armen umverteilen, der täuscht sich ganz grundsätzlich über den Charakter und die Gesetzmäßigkeiten dieses gesellschaftlichen Reichtums. „Ganz so einfach ist die Sache nicht“. Zum Schluss betonte Herr Heinbockel noch, dass es ihm nicht um Parteiideologien und Wählerstimmen gehe, sondern um positives Wissen über diese Gesellschaft: „Nur durch Wissen können Fehler wie die des Realsozialismus im Osten vermieden und richtige Konsequenzen gezogen, richtige Lösungen gefunden werden.“ Dafür werde er sich sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner Partei einsetzten.