Rapsfeld bei Eversen

Kritik ist nicht erwünscht

Ein Kommentar gibt mir die Möglichkeit, beobachtete Sachverhalte oder Vorkommnisse im Landkreis Rotenburg aus der Perspektive eines Linken einer Bewertung zu unterziehen.

Ich vermisse im gesamten Landkreis eine Konkurrenz von lokalen Tageszeitungen. Stellen Sie sich einmal die Frage, ob Sie in Rotenburg, Zeven oder Bremervörde die Wahl zwischen wenigstens zwei Tageszeitungen mit unterschiedlichen politischen Einstellungen haben, die über den gleichen lokalen Raum berichten. Meinungsvielfalt tut der Demokratie gut. Ich habe auch den Eindruck, dass die Darstellung von Problemen von Arbeitslosen, alleinerziehenden Müttern oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Zeitungslandschaft des Landkreises nicht den gleichen Stellenwert hat wie die Angelegenheiten von Sparkassen- oder IHK-vorständen.

In Lauenbrück auf dem Camping-Platz der Familie von Bothmer stehen riesige mehrhundertjährige Eiben. Ein biologisches Kleinod im gesamten norddeutschen Raum. Eine Anfrage an den Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Herrn Cassier, ob dieses als Naturdenkmal ausgewiesen sei, blieb unbeantwortet. Nach mehrmaliger Nachfrage traf nach 14 Monaten eine Antwort ein. Muss das sein? Familie von Bothmer versicherte mir, dass sie die Eiben wie ihren Augapfel hüten werde.

Die Linke wollte durch ihren Vorsitzenden, Wilfried Ganguin, von dem Leiter des Dezernats III (Sozialamt, Jugendamt, Gesundheitsamt und Arbeitsmarktportal), Herrn Markus Pragal, wissen, warum er 1500 Eingliederungsvereinbarungen an Langzeitarbeitslose im Landkreis im postalischen Massenverfahren verschickte, versehen mit der Aufforderung, sie unterschrieben zurückzusenden. Dazu muss man wissen, dass die Unterzeichnung einer Eingliederungsvereinbarung ein äußerst intensives auf jeden Einzelfall zugeschnittenes Gespräch von Angesicht zu Angesicht zwischen dem Sachbearbeiter im Jobcenter und dem Arbeitssuchenden voraussetzt. Die Antwort traf nach sechs Wochen ein. Muss das sein?   Unser Abgeordneter im Kreistag, Dr. Manfred Damberg aus Wilstedt, wird demnächst nachhaken.

In Rotenburg mussten wir während eineinhalb Jahren zeitweise mit Entsetzen auf das schauen, was sich im Zusammenhang  mit dem Kirchenasyl der beiden Roma-Frauen abspielte. Ein Gerichtsurteil beendete dem unwürdigen Treiben nun ein Ende. Wie ist es um die Akzeptanz dieses Urteils bei denen bestellt, die bisher wenig taten, um die ständig drohende Abschiebung in das Kosovo zu verhindern?

Ist es notwendig, dass auch die letzten Gasreserven unter dem Landkreis mit unterirdischen Sprengungen ans Tageslicht geholt werden müssen?  Lassen sich die Gefahren für das Trinkwasser durch „Dialog“ beseitigen? Die Linke hat nicht den Eindruck, dass sich bisher ALLE Bürger aus Sottrum, Boetersen, Waffensen, Hassendorf, Rotenburg, Bothel, Söhlingen diese existenziell wichtige Frage gestellt haben.

Die Linke fragt sich auch, warum fast jeden Tag etwas über das Ehrenamt in den Zeitungen steht. Warum sogar Stellen in Behörden eingerichtet werden, um das Ehrenamt zu „organisieren“. War das eigentlich immer so? Oder finden hier Versuche statt, den allerorts zu verzeichnenden Rückzug des Staates aus seiner sozialen Verantwortung aufzufangen? Lässt sich denn freiwilliges Engagement strategisch planen?

Die Linke ist der Meinung, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakonie in Rotenburg volle Solidarität in ihrem Kampf um einen Tarifvertrag verdienen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie es vornehmlich sind,  die für das gute Ansehen dieser Einrichtung in der Bevölkerung sorgen. 

Sandbostel, Haaßel, Integration, Bildungs- und Teilhabepaket, Krippenversorgung, JVA in Bremervörde, Krebszentrum in Zeven … dazu dann mehr, vielleicht, im nächsten Gastkommentar.

Prof. Dr. Franz Schneider, Rotenburg
Mitglied des Presseteams der Linken im Kreisverband