Pauschale Urteile dienen niemandem
Bildungspaket: Die Linke holt Infos ein
Die Linke hat sich selbst auf den Weg gemacht und nachgefragt, wie es um das Bildungs- und Teilhabepaket (BTP) im Kreis und in Rotenburg bestellt ist. Erste Anlaufstelle war die Kreismusikschule. Schulleiter Purrucker teilte mit, dass von ca. 1300 Schülern kreisweit drei aus Hartz IV-Familien die pro Monat zur Verfügung stehenden 10 Euro beanspruchen. Über die Gründe, warum die Nachfrage nur so gering ist, hat auch er nicht die entscheidende Antwort parat. Auf die Frage, ob denn von seiner Schule entsprechende „Reklame“ gemacht wurde, gab er zu verstehen, dass von ihm alle Schulen informiert worden seien. Ein „sich-outen-müssen“ schloss er aus, da die Anträge mit größter Diskretion behandelt würden. Unter Umständen könne die Kreismusikschule die Unterstützung noch durch eigene Mittel aufstocken. Auch die Möglichkeit der Ausleihe von Instrumenten für 5 Euro pro Monat bestehe. Das Problem des Anfahrtsweges sei beherrschbar, da die Präsenz der Kreismusikschule im Landkreis gut verteilt ist. Die Linke möchte alle interessierten Eltern ermuntern, Herrn Purrucker beim Wort zu nehmen. Als Vermittler betätigt sich gerne Prof. Franz Schneider (Tel. 04261 / 1556)
Zweites Ziel war eine Grundschule in Rotenburg. Hier wurde sehr schnell ein grundsätzliches Problem deutlich. Wo Ganztagsschule draufsteht, sind noch lange nicht die Kriterien für die Erfüllung der hohen Betreuungsleistungen dieser Schulform erfüllt. Gerade von Hartz-IV betroffene Familien können von dem Angebot dieser Schulform eine besondere Entlastung ihres nicht einfachen Alltags erfahren. Wenn jedoch mehr als ein Drittel des erforderlichen Lehrpersonals fehlt, bedeutet die Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags eine unerträgliche Belastung der vorhandenen Lehrkräfte. Es kann nicht sein, dass der Etat der Stadt hier in die Bresche springt. Von einer Trägheit der Eltern, Anträge fürs Bildungspaket zu stellen, keine Spur. Wer das behauptet, bedient Klischees. Realität ist, dass z.B. von 100 Mittagessen genau die Hälfte über das Bildungspaket abgewickelt wird. Aufmerksame Schulleitungen tragen erheblich dazu bei, dass Eltern, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, ihre Scheu ablegen, Anträge für Klassenfahrten und Mittagessen zu stellen. Das Bildungs- und Teilhabepaket verursacht den Schulleitungen und den Sekretariaten eine erhebliche Mehrarbeit, die in keiner Weise durch personelle Aufstockungen abgedeckt ist. Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht bei dem vom Jobcenter verlangten akribischen Ausfüllen von langen Listen. In diesen muss für jeden Tag für jedes Kind, nicht selten auch für mehrere zurückliegende Monate, die Teilnahme am Mittagessen nachgewiesen werden. Die Verwendung von Excel-Tabellen, so die Linke, könnte hier schon für eine Entlastung der Schulen sorgen. (Zu beanstanden ist ebenfalls die mangelhafte telefonische Erreichbarkeit von Mitarbeitern des Jobcenters, in dem die Schulleitungen schnell und unbürokratisch Auskünfte für die Erfüllung ihrer Verwaltungsleistungen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets einholen können.)
Wie es um die Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabepaket bei den Sportvereinen steht, wird nach Auskunft des TUS-Chefs Rolf Ludwig zurzeit noch aufgearbeitet. Deshalb wolle er im Moment weder eine Beurteilung im negativen noch im positiven Sinne vornehmen. Bis zur Jahreshauptversammlung Ende des Jahres lägen eindeutige Daten vor.
Nach den selbst angestellten Recherchen kommt die Linke zu dem Schluss. Pauschale Urteile, ja Verurteilungen von Bevölkerungsgruppen dienen nichts und niemandem. Ein solch sensibles Thema wie das Bildungs- und Teilhabepaket erfordert eine äußerst differenzierte Betrachtung einer vielschichtigen Realität.
Prof. Dr. Franz Schneider
Mitglied des Presseteams des Kreisverbandes der Linken
