Rapsfeld bei Eversen

Leserbrief zum Bericht über die Anhörung von Klein- und Kleinstunternehmen der Bundestagsfraktion DIE LINKE in Berlin zum Thema Rettungsschirm für Kleinunternehmen

Liebe Freunde und Genossen,

... tja, da fangen die Schwierigkeiten schon an... "Genossen", das hört sich an nach Köpfe zusammenstecken, nach Zusammenhalten gegen den Unternehmer, der den Lohn gern knapp bemisst, weil alles, was er da einspart, sein Einkommen erhöht. "Genossen", so nannten sich früher die, die ihren Unternehmer klein kriegen wollten, um selbst ein besseres Leben führen zu können.

Aber die Berliner "Genossen" haben ja offensichtlich was ganz anderes vor: Die wollen die "Kleinstunternehmer" fördern, damit sie größer werden. Und wenn sie dann "Mittelstand" sind, mit bis zu tausend Arbeitern im Betrieb, dann kriegen sie nach den Vorstellungen der Berliner "Genossen" immer noch Förderung: "Mittelstandsförderung" eben.

Das sollen die Kleinstunternehmer aber mit der auf sie zugeschnittenen Förderung der LINKEN erst einmal werden. Aber SO ein Wachstum geht nicht nur mit Förderung. Um richtig "Mittelstand" zu werden, muss man jeden von den erst mal 5, dann 12 und später vielleicht 887 Arbeitern richtig rannehmen. AUSBEUTEN sozusagen.

Und mit dem Ausbeuten kennen sich die Kleinstunternehmer ja aus. Die arbeiten ja oft 12 und sogar 15 Stunden am Tag, an sechs Tagen der Woche und 127.000 von ihnen kommen damit nicht mal auf die Hartz-Sätze. Deswegen haben die aber auch ein porentief reines Gewissen, wenn sie von ihren Arbeitern dasselbe verlangen. "Es geht einfach nicht anders, Kollegen ..." Tja, es geht einfach nicht anders. Dafür sorgt die Konkurrenz der Großen und zuallererst einmal die der 126.999 anderen Kleinen.

Dagegen hilft nicht Wirtschafts-Förderung (sondern nur die Abschaffung von Lohnarbeit, Kapital und Kapitalkonkurrenz), die heizt die Konkurrenz nach staatlicher Maßgabe nur richtig an und sorgt dafür, dass der eine oder auch der andere Kleine groß wird.

Aber bis das dann erreicht ist, ist die Berliner LINKE wahrscheinlich auch bei einer Wachstumsstrategie für das ganze nationale oder besser: das ganze europäische Kapital angekommen.

Nee, lass ma ... Da lob ich mir die Genossen vor Ort.
Und Du, Manfred, überleg Dir noch mal, ob Du ein Genosse im Klassenkampf oder ein Wirtschaftsförderer in Berlin sein möchtest; also: Warum Du mal in die Partei "Die LINKE" eingetreten bist.

Mit solidarischen Grüßen
Rolf Öderland

P.S.: Und wie meint der Dieter Dehm das eigentlich? Ich habe im Lauf der letzen 40 Jahre mitgekriegt, dass der wesentliche Vorzug des Kapitalismus die Berechtigung zur Ausbeutung von Leuten ist, die ihren Lebensunterhalt nicht durch Zins- oder Dividendenerträge bestreiten können, sondern ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Und das will er WIE in den Sozialismus retten? Oder was?